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  • AutorenbildAnny Wu

Linz, Glarus, Heidelberg: Zwei Wochen von Wettkampf zu Wettkampf

Der Beginn der WM-Vorbereitungen verlief nicht nach Plan. Das Handgelenk machte mir wieder weh. Diesmal war es so eingeschränkt, dass auch das Turnen am Stufenbarren schmerzte. Somit musste ich für eine gewisse Zeit das Pensum herunterfahren, was sehr frustrierend war, da es in der Zeit vorher sehr gut gegangen ist und ich mich körperlich fitter gefühlt habe, wie je zu vor.

Durch die Pause wurde meine Vorbereitung stark verkürzt. Die Wettkämpfe waren bereits geplant, an denen ich das Team unterstützen möchte. Eine Woche vor dem ersten Länderkampf in Linz könnte ich langsam das Trainingspensum erhöhen. Im Vergleich zu den anderen Turnerinnen fehlte mir die Anzahl Versuche in den Trainings. Ich war aber froh, keine Schmerzen ertragen zu müssen. Ich wusste, dass eine sehr intensive Zeit vor mir steht, denn ich hatte drei Wettkämpfe an aufeinanderfolgenden Wochenenden in drei verschiedenen Länder, an denen ich einen Mehrkampf turnen werde. Eine neue Challenge, die vor mir steht.


Länderkampf AUT-CZE-SUI-SVK, Linz (26.8.23)

Der Wettkampf fand im Leistungsstützpunkt von Linz statt. Die Geräte waren alle sehr gut und die Trainings waren entsprechend auch gut. Es war auch cool, dass wir nun bei den Österreicherinnen zu Besuch sind. Wo sie im Frühling vor der EM noch bei uns waren.

Meine Resultate am Wettkampf waren niederschmetternd. Ich bin an jedem Gerät gestürzt. Während dem Wettkampf musste ich lernen die Stimmung aufrecht zu halten und ich versuchte so gut es geht zu akzeptieren, dass der Sturz geschehen ist und der Fokus auf dem nächsten Gerät liegt.

Dieser Wettkampf war eine harte Lektion für mich.

Die geschrumpfte Vorbereitungszeit war meiner Meinung nach ein Grund für das entsprechende Resultat. Auch wenn ich die Übungen bereits kannte und ich glaubte, dass ich mich auf mein Gefühl und meine Erfahrungen verlassen kann, reichte es diesmal nicht aus. Ich war sehr gestresst von diesem Resultat, erstens, weil ich mich nicht so an einem Wettkampf präsentieren wollte und zweitens, weil ich wusste, dass nicht viel Zeit bis zum nächsten Wettkampf vorhanden ist, um die Anzahl Versuche auf die nötige Höhe hineinzubekommen.


Die Woche darauf legte ich den Fokus darauf, alles zu verbessern, was schiefgelaufen ist. Wichtig war jetzt nicht direkt aufzugeben und ein positives Mindset zu behalten, was nicht gerade einfach. Denn es standen noch zwei sehr wichtige Wettkämpfe vor mir.


Schweizermeisterschaften 2023, Glarus (2./3.9.23)

Es war zwar nicht viel Zeit, doch ich habe alles gegeben, um möglichst gut vorbereitet an den Schweizermeisterschaften aufzutreten und die Fehler vom letzten Wettkampf zu vergessen.

Am Samstag war der Mehrkampf. Ich fühlte mich sehr gut und die Stimmung während dem Wettkampf war auch sehr positiv. Die Halle war sehr klein und auf dem Wettkampfplatz waren gleichzeitig auch die Männer, weshalb es sich etwas eng angefühlt hat. Deshalb war es wichtig, den Fokus auf sich zu behalten und konzentriert bleiben. Wir sind am Boden gestartet und ich konnte eine gute Übung ablegen. Auch mit dem Sprung bin ich zufrieden. Am Barren startete ich leider mit einem grossen Fehler, doch ich musste das Gerät nicht verlassen. Ich versuchte, mich davon nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. Denn das letzte Gerät steht noch bevor und es ist der Balken...

Ich würde gerne dieses Gerät mehr mögen, doch damit habe ich noch zu kämpfen. Das zeigte sich enttäuschenderweise auch kurz nach dem Start der Übung. Bei meiner Akroserie war ich ein paar Zentimeter auf der Seite, weshalb ich gestürzt bin. Das hat mich sehr genervt.

Doch ich musste auch einsehen, dass es eine sehr grosse Verbesserung von letzter Woche war und darauf sollte ich stolz sein. Ich beendete den Wettkampf mit 48.200 Punkten auf dem bitteren 4. Rang.


Meine Übungen vom Mehrkampf:


Am Folgetag standen die Gerätefinals auf dem Plan. Ich konnte mich mit meiner Leistung am Vortag für den Stufenbarren- und Bodenfinal qualifizieren.

Am Stufenbarren ging ich als erste an den Start und konnte meine Note aus der Qualifikation um mehr als einen halben Punkt verbessern. Am Ende den Wettkampf durfte ich bei der Rangverkündigung zuoberst auf das Treppchen steigen. Dies ist mein erster Schweizermeistertitel!

Das zweite Finale am Boden war auch sehr erfolgreich. Ich turnte erstmals eine neue Kombination. Dabei handelt es sich um einen 1 ½ Schraube rückwärts direkt in eine ganze Schraube vorwärts. Die Endnote war etwa dieselbe wie vom Vortag und ich durfte noch eine Bronzemedaille entgegennehmen.

Viele Erfahrungen konnte ich innerhalb von zwei Tagen sammeln und für jede Unterstützung in der Wettkampfhalle bin ich sehr dankbar.

Schweizermeisterin am Stufenbarren

Vom Ausruhen spricht nach dem strengen Wettkampf-Weekend aber niemand, denn die Wettkampfserie noch nicht vorbei. Next Stop: Heidelberg!

Während der Woche merkte ich etwas die physische und mentale Belastung der drei Wettkämpfe der letzten Woche. Wichtig war für mich, am Balken Vertrauen aufzubauen und mich zu erholen, dass ich am Samstag darauf wieder fit bin und zuversichtlich nach Deutschland reisen kann.


Länderkampf GER-FRA-GBR-ROU-SUI, Heidelberg (9.9.23)

Diese Reise verging ziemlich schnell. Wir sind als Team am Freitag angereist und sind am Folgetag wieder abgereist. Der Wettkampf fand am Samstagmorgen statt. Das Training am Freitag verlief sehr gut. Ich hatte ein sehr gutes Gefühl zu turnen, denn die Geräte waren sehr gut. Ausser der Boden war etwas hart.

Am Wettkampftag starteten wir wieder am Boden. Meine Übung war in Ordnung. Doch die Härte des Bodens machte sich bei einer knappen Landung in den Füssen spürbar. Mein Sprung war auch zufriedenstellend, sowie auch meine Barrenübung. Als Letztes wieder der Balken. Ich ging als vierte an den Start. Ich bin durchgekommen! Und das auch ohne grosse Fehler. Somit konnte ich meinen Wettkampf gut abschliessen. Ich kann sagen, das war ein souveräner Wettkampf.

Als Team erreichten wir eine tolle Leistung und in der Einzelwertung wurde ich 15. mit einer Punktzahl von 49.300 Punkten.


Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich mich von Wettkampf zu Wettkampf verbessern konnte, ohne viel Zeit für grosse Trainings zu haben. Ich konnte mental so arbeiten, dass ich die guten und schlechten Dinge des vorherigen Wettkampfs mitnehmen konnte und diese am nächsten anwenden oder verbessern konnte.

Puh, das war ein langer Atemzug, doch jetzt ist kurz Zeit zum Verschnaufen.


Fotos: Martin Fröhlich, STV

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