5-beste Team der Welt!
- Anny Wu
- 2. Sept. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Sept. 2025
Aufgrund der Fussverletzung entschied ich mich nicht am Eidgenösischen Turnfest teilzunehmen, auch wenn es eine sehr bittere Pille zu schlucken war, weil es vermutlich meine letzte Chance war an einem ETF teilzunehmen und auch weil letztes Jahr die Schweizermeisterschaften nicht nach meinen Wünschen gelaufen ist. Aber es war die richtige Entscheidung. Am Wettkampftag nahm ich die richtige Rolle ein: Supporterin meiner Teamkolleginnen. Es war unglaublich heiss und mit meiner physischen Verfassung war ich froh, nicht mitmachen zu müssen.
In der Turnhalle (seit neuem in Biel statt in Magglingen) versuchte ich möglichst fit zu bleiben, aber gleichzeitig meinen Fuss zu schonen. Es war persönlich eine ziemlich schwierige Situation für mich. Ich bin die typ Turnerin, die mit Anzahl trainiert und so sich für Grossanlässe vorbereitet. Ein paar Wochen war nicht ganz klar, auf welches Ziel ich hinarbeite, weil während den EM-Qualis habe ich mich auch für die Universiade Mitte Juli quallifiziert. Ich entschied mich dafür eine Vorbereitung für die World University Games zu probieren, aber diesmal mehr mit der Taktik, dass ich weniger Anzahl Übungen und Versuche absolviere und so eine Balance finde, dass ich fit werde und der Körper noch genug Energie hat, um die Verletzung am Fuss zu heilen. Die Coaches gabe mir während der ganzen Vorbereitung viel Vertrauen, da ich das Programm schon dank der EM verinnerlicht habe und mir deshalb nicht all zu grosse Sorgen machen muss, wenn ich zum Beispiel die Anzahl Übungen etwas zurückschrauben muss.
Da es sich um die universitären Sommerspiele handelte, waren viele Sportarten verbunden und die Schweizer Delegation setzte sich aus 79 Athlet:innen zusammen. Viele davon konnte ich bereits am Kick-off Event kennenlernen. Als Delegation bekamen wir eine ganze Ausrüstung, die wir an den Spielen tragen durften.
Am 18.7. reisten wir ab, nach Düsseldorf und von da weiter nach Essen/Oberhausen, DE. Bis zu unserem Wettkampf war es fast eine ganze Woche, dass gab uns viel Zeit, um die wunderschöne Atmosphäre von Sportspielen zu geniessen, wo es möglich ist, andere Sportarten zu sehen und die Schweizer Delegation zu unterstützen. In Essen waren neben dem Kunstturnen auch Fechten, Judo, Takwando, Tennis, Tischtennis und Rhythmische Gymnastik.
Der Donnerstag, 24.7., war der Tag an dem, man könnte schon fast sagen, Unglaubliches passierte. Wir gingen in den Wettkampf mit einer „nothing to lose“-Einstellung. Denn wir waren ein dreiköpfiges Team mit Anina Wildi, Martina Eisenegger und mir. Es waren starke Teams aufgelistet und wir wussten, wir konnten vorne nicht mithalten. Deshalb war unser Ziel den Wettkampf zu geniessen, im Moment sein und für jede Übung, respektive für jedes Element zu kämpfen. Aufgrund des kleinen Teams hatten wir keine Streichnote, das heisst keine Reserve, falls ein Fehler passiert, kein Auffangkissen.
Wir eröffneten den Wettkampf am Boden. Aufgrund des Fusses entschied ich mit Absprache der Trainerin die Übung zu vereinfachen und in der letzten Linie statt einer D-Bahn (0.4 Punkte in der Schwierigkeit + 0.2 Punkte Bonus) eine B-Bahn (0.2 Punkte in der Schwierigkeit) zu turnen. Ich turnte eine fehlerfreie Übung, die mit einer 12.650 Punkte Note belohnt wurde.
12.800 Punkte am Sprung
13.050 Punkte am Stufenbarren, was schön zu sehen war. Für mich persönlich ist die 13-Punkte-Marke am Stufenbarren der tägliche Anreiz mich zu verbessern. Es lief bei uns allen ziemlich gut und wir erhielten auch gute Noten, die uns in der Gesamtwertung zu klassierten.
11.650 Punkte am Schwebebalken. Das war ein harter Schlag. Nicht nur, weil ich beim letzten Element gestürzt bin. Auch weil 0.600 Punkte auf Bronze gefehlt haben. Und 0.200 Punkte für das Mehrkampffinale. Der Druck auf diesem Freirad war für mich so gross, dass ich ihn nicht standhalten konnte.
Die Enttäuschung war enorm gross. Weil man träumt davon, um die Medaillen kämpfen zu können und dann bei der Möglichkeit zu scheitern, tut weh. Es war für mich nicht nur schmerzhaft, weil ich keine Medaille um den Hals hatte. Es tat mehr weh, weil meine Teamkolleginnen keine Medaillen hatten.
Andererseits, wenn wir uns jemand vor dem Wettkampf gesagt hätte, wir werden es in die Top 5 schaffen, wir hätten alle vier direkt unterschrieben und das ist das, was zählt. Es ist bereits ein unglaublich starkes Resultat, was wir auf dieses Field of Play gezaubert haben. Wir waren mit vier Punkten Vorsprung das BESTE 3-köpfige Team und haben Canada, Chinese Taipei und viele mehr hinter uns gelassen.
Wir kamen aus diesem Teamwettkampf mit
einer Top 5 Rangierung
einem Mehrkampffinal (Anina Wildi)
einem Gerätefinal (Schwebebalken, Martina Eisenegger)
2 Reserveplätzen (Mehrkampf R2 & Boden R1, Anny Wu)
Das Resultat kann sich sehen lassen!
Ich freute mich enorm für meine Teamkolleginnen, dass sie nochmals eine Chance bekamen, um sich auf der Weltbühne zu zeigen. Natürlich wollte ich auch nochmals, doch rückblickend auf mein Jahr bis hierhin und mit der erschwerten Vorbereitung, kann ich mit meinem persönlichen Resultat mehr als zufrieden sein.
Eilmeldung, 26.7.2025 10:00
Anny Wu ist im Bodenfinale.
Zum Glück hatte ich alles in der Tasche dabei, weil wir waren bereits ausser Hotel als die Kommunikation offiziell war. Ich freute mich extrem! Mein erstes Gerätefinale an einem Grossanlass. Die Nervosität war schon etwas grosser als noch im Teamwettkampf. Leider patzte ich bei der Pirouette, was mich etwas auf dem Konzept warf, weshalb ich die zweite Linie nicht sauber austurnen konnte. Diese zwei Patzer kosteten mich viel… Am Schluss war es der zu erwartende 8. Rang. Ein Resultat, das auch mit einer gut gelungenen Übung zu erwarten war.
Somit sind auch meine ersten World University Games zu Ende. Es war definitiv ein einmaliges Erlebnis, mit dem ich enorm viele Emotionen verbinde. Höhen und Tiefen, Teamgeist, Fightspirit, Freude und Spass stechen bei mir persönlich besonders heraus. Dafür danke ich Swiss University Sport, dem Schweizerischen Turnverband und der Berner Fachhochschule für diese Möglichkeit.
Wenn ich mich schon am bedanken bin, danke an:
das Trainerteam und Teammanager
die Teamkolleginnen, Familie und Freund(e)
dem Medical-Staff STV und SOMC
Ohne die wäre so eine knappe Vorbereitung niemals so gut aufgegangen!





























DANKE für so eine schöne erlebnis.